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Warum ich heute anders trainiere – und was mir das Fitnessstudio gezeigt hat

Ganzkörper-Seilzugübung im Fitnessstudio: Ein Mann trainiert mit aufrechter Haltung, aktiver Mitte und koordinierter Bewegung statt isoliertem Muskeltraining.

Ich war lange überzeugt, dass gezieltes Muskeltraining der richtige Weg ist.

Maschinen, klare Bewegungen, einzelne Muskelgruppen – das schien logisch.Man setzt sich rein, bewegt ein Gewicht, fühlt den Muskel, fertig.


Erst viel später habe ich verstanden:Der Körper funktioniert nicht so.

Mein Training mit meiner Frau


Vor Kurzem war ich mit meiner Frau im Fitnessstudio. Wir haben neue Seilzugübungen gemacht – nichts Spektakuläres, keine komplizierten Abläufe. Die Übung selbst kannte ich nur grob aus einer App.


Aber während wir trainierten, wurde mir etwas sehr deutlich.

Ich konnte erklären, wie sich der Körper organisieren muss, damit die Bewegung sinnvoll wird.

Nicht über Muskelbefehle, sondern über Haltung, Ausrichtung, Spannung und Verbindung.


Als sie ihre Haltung veränderte, passierte etwas Interessantes:

Plötzlich waren nicht mehr nur „die Arme“ oder „der Rücken“ aktiv.

Sie spürte die seitlichen Bauchmuskeln, die Mitte, die Zusammenarbeit im ganzen Körper.

Nicht weil wir mehr Gewicht genommen haben.

Sondern weil das System angefangen hat, als System zu arbeiten.

Der Mensch als Maschine


Viele Trainingskonzepte – besonders im westlichen Raum – folgen noch immer der Idee vom Menschen als Maschine.

Man zerlegt den Körper in Teile, trainiert diese Teile einzeln und hofft, dass am Ende ein funktionierendes Ganzes entsteht.

Das Problem ist:

Bewegung entsteht nicht aus Muskeln allein.Sie entsteht aus Koordination,

Wahrnehmung und Struktur.


Feste Geräte geben Führung – aber sie nehmen dem Körper auch Verantwortung ab.

Man wird stabilisiert, geführt, gehalten. Das fühlt sich sicher an, führt aber langfristig dazu, dass tragende Strukturen verlernen, ihre Aufgabe zu erfüllen.


Das sieht man dann auch im Alltag:

Hohlkreuz, verspannte Schultern, fehlende Mitte.

Nicht weil Menschen „faul“ sind, sondern weil sie nie gelernt haben, sich selbst zu tragen.


Was mich an diesem Training besonders berührt hat, war die Erkenntnis:

Die Prinzipien, die ich aus dem Nei Long Kung Fu und der Arbeit mit der tragenden Mitte kenne, funktionieren überall.


Im Kampf.In der Gesundheit.Und eben auch im Fitnessstudio.


Ich brauche keine perfekte Übungsausführung aus einer App.Wenn ich sehe, wie jemand steht, atmet und Spannung aufbaut, kann ich erklären, warum etwas funktioniert – oder eben nicht.


Das ist kein besser oder schlechter.

Es ist ein anderer Blick.

Ein Blick, der den Körper nicht reparieren will, sondern wieder lernen lässt, sich selbst zu organisieren.


Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Training aufhört, Technik zu sein –und anfängt, Entwicklung zu werden.

Was im Fitnesstraining oft übersehen wird:


Es geht nicht um schicke Einzelmuskeln. Kein Körper funktioniert wegen eines Sixpacks besser.


Gerade nach Verletzungen zeigt sich das sehr deutlich.

Ich habe das selbst erlebt – nach meinem Sprunggelenksbruch 2006.

Ein halbes Jahr auf Krücken, drei Operationen, gezielte Übungen für vernachlässigte Bereiche. Das war wichtig, keine Frage.


Aber das Entscheidende war nicht das isolierte Wiederaufbauen einzelner Strukturen.Das Entscheidende war, verlorene Verbindungen wiederherzustellen.


Ein Muskel kann kräftig sein – und trotzdem nicht funktionieren.Wenn die Anbindung fehlt.Wenn Wahrnehmung, Timing und Zusammenarbeit verloren gegangen sind.


Genau hier stößt isoliertes Training an seine Grenzen.Es kann stabilisieren, kräftigen, vorbereiten –aber echte Beweglichkeit, Belastbarkeit und Vertrauen in den eigenen Körper entstehen erst dann, wenn das System wieder als Ganzes arbeitet.


Der Weg der Ganzheitlichkeit ist oft etwas länger.Aber er ist nachhaltiger.

Nicht, weil er „sanfter“ ist –sondern weil er tiefer greift.

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