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Die Drei Schätze – Jing, Qi und Shen im Nei Long

Aktualisiert: 6. Feb.

Symbolische Landschaftsdarstellung der drei Schätze Jing, Qi und Shen: links ein Baum mit tiefen Wurzeln als Sinnbild für Jing, in der Mitte ein leuchtender Energiefluss als Qi, rechts ein lichtdurchfluteter Berg als Shen – verbunden als ganzheitliches System von Körper, Bewegung und Geist.

In der chinesischen Tradition spricht man von drei Kräften, die alles menschliche Leben tragen:

Jing, Qi und Shen – die sogenannten Drei Schätze.

Nicht, weil sie geheim oder überhöht wären,sondern weil sie gepflegt werden müssen wie etwas Wertvolles.

Im Nei Long sind sie keine abstrakten Konzepte,sondern beobachtbare Ebenen menschlicher Funktion.Was wir tun, wie wir trainieren und wie wir leben, wirkt immer auf alle drei.

Jing – die tragende Grundlage


Jing beschreibt die substantielle Tiefe eines Menschen.

Das, was trägt, regeneriert und langfristig stabil hält.

Man kann Jing mit der Wurzel eines Baumes vergleichen:

Sie ist nicht sichtbar, aber ohne sie bleibt jede Krone instabil.


Im Alltag zeigt sich Jing dort,

  • wo der Körper sich erholt

  • wo Gelenke tragfähig bleiben

  • wo Kraft aus Struktur entsteht und nicht aus Zwang


Auf dem Weg des Drachen wird früh klar:

Nicht jede Anstrengung stärkt.Nicht jedes Training nährt.

Dauerhafte Überlastung, fehlende Regeneration und das ständige Übergehen eigener Grenzen zehren an dieser Tiefe.

Oft wird das erst spürbar, wenn Müdigkeit bleibt, obwohl man schläft – oder wenn der Körper reagiert, obwohl man sich „eigentlich fit“ fühlt.


Im Nei Long ist Jing kein Nebenthema.Es ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

Qi – funktionaler Fluss


Qi beschreibt die Qualität von Bewegung und Verbindung.Nicht als mystische Energie, sondern als Ausdruck funktionierender Lebendigkeit.


Qi zeigt sich dort,

  • wo Bewegung leicht wird

  • wo Atem, Haltung und Handlung zusammenarbeiten

  • wo Kraft aus Verbindung entsteht, nicht aus Spannung


Im Training wird Qi sichtbar, wenn nichts isoliert arbeitet:

Der Stand trägt die Hüfte,

die Hüfte führt den Oberkörper,

der Arm folgt – und alles bleibt verbunden.


Der Drache steht im Nei Long nicht für rohe Kraft,sondern für koordinierten Fluss.

Blockaden entstehen nicht durch zu wenig Technik, sondern durch zu viel Wollen, zu viel Denken, zu viel Eile.

Gestauter Fluss wird schwer – im Körper wie im Geist.

Qi zu pflegen bedeutet deshalb nicht, etwas hinzuzufügen,sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen Bewegung wieder natürlich wird.

Shen – klare Präsenz


Shen beschreibt die Qualität der inneren Führung.

Die Art, wie jemand anwesend ist.

Ein klares Shen zeigt sich nicht durch besondere Leistungen oder Worte,sondern durch Ruhe im Blick, Klarheit im Handeln und die Fähigkeit, auch unter Druck bei sich zu bleiben.

Im Nei Long ist Shen kein Ziel.

Es ist ein Spiegel.


Unruhe im Geist entsteht selten zufällig.

Sie ist meist das Ergebnis eines Körpers, der dauerhaft überfordert oder schlecht reguliert ist.

Deshalb beginnt die Arbeit mit Shen nicht im Kopf.

Sie beginnt im Körper.

Dort, wo Jing genährt wird und Qi frei fließen kann,kommt auch der Geist zur Ruhe.

Die Drei Schätze als ein zusammenhängender Weg


Jing, Qi und Shen sind keine Stufen.

Man erreicht sie nicht – man lebt mit ihnen.


Jing gibt Tragfähigkeit.

Qi gibt Beweglichkeit.Shen gibt Orientierung.


Im Nei Long geht es nicht darum, einen Schatz zu erobern.

Es geht darum, achtsam mit diesen Ebenen umzugehen – im Training wie im Alltag.


Denn wer seine Grundlage achtet, seinen Fluss pflegt und seine Präsenz klärt,

der geht nicht schneller. Aber weiter.

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