Warum zu viel Krafttraining dein Kung Fu blockiert
- Shifu Peter

- 18. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Feb.

Viele Schüler kommen ins Kung Fu mit der Vorstellung, stärker werden zu müssen. Mehr Kraft, mehr Muskeln, mehr Spannung. Das wirkt logisch – ist aber genau der Punkt, an dem Kung Fu oft missverstanden wird.
Kung Fu ist kein Wettkampf um Muskelmasse. Es ist eine Kunst der Bewegung. Und Bewegung braucht Freiheit.
Wenn der Körper unter Grundspannung steht, wird er laut. Die Muskeln ziehen, die Atmung wird flacher, die Wahrnehmung enger. Bewegungen verlieren ihre Feinheit, Reaktionen werden langsamer. Genau deshalb beginnt gutes Kung Fu nicht mit Kraft, sondern mit Lösen.
Flexibilität bedeutet im Kung Fu nicht Spagat oder extreme Dehnung. Sie bedeutet, dass Gelenke frei arbeiten können, Muskeln loslassen und der Körper Spannungen schnell auf- und wieder abbauen kann. Ein beweglicher Körper ist nicht weich – er ist anpassungsfähig.
Das Warm-up hat genau diese Aufgabe. Es bereitet den Körper vor, ohne ihn zu ermüden. Zu intensives Krafttraining im Warm-up macht den Körper schwer, bevor das eigentliche Training überhaupt beginnt. Die Folge sind harte Bewegungen, fehlende Sensibilität und unnötige Erschöpfung.
Kraft ist trotzdem wichtig. Aber im Kung Fu entsteht sie anders. Stellungen, Übergänge, saubere Technik und gute Struktur trainieren Kraft automatisch. Der ganze Körper arbeitet zusammen, statt dass einzelne Muskeln isoliert kämpfen.
Zusätzliches Krafttraining kann sinnvoll sein – in der richtigen Menge. Zwei bis drei kurze Einheiten pro Woche reichen für die meisten Schüler vollkommen aus. Wichtig ist, dass das Training funktionell bleibt, ruhig ausgeführt wird und keine dauerhafte Spannung erzeugt.
Optimale Geräte im Fitnessstudio sind hier die Kabelzugmaschinen und dann Übungen im Stehen. Die Beinmuskulatur muss hier nicht extra trainiert werden, da Kung Fu genug Bein spezifische Übungen bietet.
Ein entscheidender Punkt ist dabei: Kung Fu trainiert niemals auf Masse.Großes Muskelvolumen erhöht die Grundspannung, schränkt Beweglichkeit ein und verlangsamt Reaktionen. Gesucht ist kein schwerer Körper, sondern ein kompakter, verbundener und elastischer.
Ein freier Körper nutzt Kraft effizient.Ein angespannter Körper verbraucht sie.
Wer das versteht, hört auf, gegen seinen Körper zu arbeiten – und beginnt, ihn wirklich zu schulen.




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